Mehr über die Geschichte.

„Spotlight" auf Frankfurt-Höchst, Deutschland

-- verfaßt von Dieter Bergner, Betriebsleiter im Ruhestand (1998)

In Englisch

Frankfurt liegt im Westen Deutschlands in der Nähe des Rheins am Main und am Fuß des bewaldeten Taunusgebirges. Der höchste Berg im Taunus ist der 878m (2879 feet) hohe Große Feldberg. Frankfurt hat zusammen mit seinen Vorstädten etwa 660.000 Einwohner und lebt von Industrie, Handel, Banken, Versicherungen. Wegen seiner Skyline, die ein wenig an Manhattan erinnert, wird Frankfurt scherzhaft „Mainhattan” genannt. In Frankfurt gibt es die Deutsche Bundesbank, andere Bundesbehörden und die bedeutendste Börse in Deutschland. Frankfurt hat ein reges kulturelles Leben, es gibt viele Theater, Opern- und Konzerthäuser, Museen und dazu viele Restaurants. Außer der Anbindung Frankfurts durch die Wasserstraßen Rhein und Main gibt es mehrere Autobahnen und Eisenbahnverbindungen. Wegen seines Flughafens „Frankfurt-Main”, dem größten in Deutschland, und der Rhein-Main (USAF)-Airbase der amerikanische Luftwaffe nennt man Frankfurt auch das „Tor zur Welt”. Höchst, ursprünglich eine unabhängige Stadt, kam 1926 zu Frankfurt und ist jetzt eine seiner westlichen Vorstädte.

Die Geschichte Frankfurts ist lang, so daß hier nur ganz kurz darüber berichtet werden kann. In der Nähe von Frankfurt findet man Hügelgräber aus vorgeschichtlicher Zeit, aber auch Reste von Keltenbauten aus dem 4. Jh. v.Chr., wie zum Beispiel die Steinwälle auf dem Berg Altkönig im Taunus. Weitere Reste gibt es aus der Römischen Zeit (um 100 n.Chr.), wie den Grenzwall Limes und Reste von Befestigungen, von denen eine, die Saalburg, rekonstruiert wurde und besichtigt werden kann. Aus der Zeit Karls des Großen (um 800 n.Chr.) gibt es Reste einer Pfalz und die Kirche St. Justinus in Höchst. Während der Zeit des Heiligen Römischen Reichs (1000 - 1806) wurden die deutschen Kaiser in Frankfurt gewählt. Man kann heute noch die Wahlkammer im Frankfurter Dom und den Kaisersaal im Frankfurter Rathaus, dem „Römer” besichtigen. 1848 tagte in der Paulskirche das erste frei gewählte deutsche Parlament, das allerdings nicht lange Bestand hatte. Die alte Stadt Frankfurt mit ihren alten Häusern und Gassen, vor allem die romantischen Fachwerkhäuser, wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombardierung weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau erbrachte eine neue Stadt mit einem anderen Gesicht. Nur wenige rekonstruierte alte Bauten erinnern an die alte Stadt.

Die heutige Hoechst Aktiengesellschaft (Hoechst AG) wurde 1863 durch vier Unternehmer mit dem Namen „Meister Lucius & Co.” in Höchst als Fabrik zur Herstellung von Farbstoffen gegründet. Der erste produzierte Farbstoff war das rote Fuchsin, weswegen die neue Fabrik auch „Rotfabrik” genannt wurde. Die Firma diversifizierte erheblich im Lauf der Zeit, wurde immer größer und ging 1925 unter dem Namen „Farbwerke vorm. Meister Lucius und Brüning, Höchst am Main” im Chemie-Konzern I.G.-Farbenindustrie A.G. auf. Das im Gegensatz zur Stadt Frankfurt im Zweiten Weltkrieg nicht zerstörte Werk Höchst wurde 1945 von amerikanischen Truppen besetzt, nahm aber bald seine Produktion wieder auf. Nach Auflösung der I.G. und Neugründung der Teilfirmen im Jahr 1951 setzte starkes Wachstum ein.

Die jetzt „Farbwerke Hoechst AG, vormals Meister Lucius & Brüning” genannte Gesellschaft produzierte eine breite Stoffpalette: anorganische und organische Chemikalien, Düngemittel, Kunststoffe, Kunstfasern, Farbstoffe und Pharmazeutika. Das etwa 4 km² (1,5 square miles) große Werk Höchst schloß neben der Produktion die Verwaltung, den Verkauf, Forschung und Entwicklung, Analytischen Labors, Bibliotheken, ein Kraftwerk und vieles andere ein. Im Werk Frankfurt-Höchst arbeiteten in den 70er bis 80er Jahren etwa 30.000 Menschen und der gesamte Umsatz der Hoechst AG, einschließlich aller anderen Werke, war etwa so groß wie der des Chemieteils der amerikanischen Firma DuPont vor dem Erwerb von Conoco Inc. (1981). In den 90er Jahren begann der Umbau des Chemiekonzerns zu einem Life Science-Konzern. Das war mit Umstrukturierung, Bildung kleinerer Einheiten, dem Verkauf bestimmter Aktivitäten und erheblichem Personalabbau verbunden. Die Chlor-Aktivitäten der Hoechst AG im Werk Frankfurt-Höchst kamen zunächst an die Celanese GmbH und mit Wirkung vom 1. Januar 1998 an LaRoche Industries Inc. (LII Europe GmbH). [Anmerkung des Herausgebers: Nachdem LII von seiner Reorganisierung in 2001 auftauchte, wurde das Geschäft bei Höchst wieder verkauft.]

Die erste Chloralkali-Elektrolyse der Welt wurde in der Firma Chemische Fabrik Griesheim, im heutigen Werk Griesheim der Hoechst AG in Frankfurt-Griesheim, entwickelt und 1890 in Betrieb genommen. Die in den 1930er Jahren erbaute Chloralkali-Elektrolyse im Werk Höchst produzierte Chlor, Natronlauge und Wasserstoff auch während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg stieg die Chlorproduktion in Frankfurt-Höchst stark an, das Chlor wurde hier vor allem für die Herstellung von Methanchlorierungsprodukten und für die Herstellung von FCKW, aber auch für andere Chlorierungen gebraucht. Auf dem Höhepunkt der Produktion gab es in Höchst drei Elektrolysebetriebe mit einer Chlor-Kapazität von insgesamt 1000 t/d. Nach dem Ausstieg aus der FCKW-Produktion blieb nur noch die neueste der drei Elektrolysen übrig. Sie ist immer wieder modernisiert worden und befindet sich damit heute in einem hervorragenden Zustand.

Forschung und Entwicklung hat bei den Chloraktivitäten in Frankfurt-Höchst lange Tradition. So wurden viele Neuentwicklungen von der damaligen 100%igen Hoechst-Tochter Uhde GmbH weltweit verkauft. In den 70er und 80er Jahren wurde in Höchst eine neue Membranzelle für die Chloralkali-Elektrolyse entwickelt, die als Hoechst-Uhde-Membranzelle von Uhde (jetzt Krupp- Uhde GmbH) in viele Länder der Welt verkauft wird (LII Europe GmbH behält die Nutzungsrechte). Zur Zeit sind 43 Anlagen mit Hoechst-Uhde- Membranzellen mit einer gesamtem NaOH-Kapazität von 2,5 Millionen t/a in Betrieb. In Deutschland wenden die Bayer AG in Krefeld-Uerdingen und die BCA in Bitterfeld sowie in den USA die Olin Corp. in Mobile, Alabama, diese Technologie an.

Die derzeitigen Aktivitäten der LaRoche Industries Inc. unter dem Namen LII Europe GmbH beinhalten in Frankfurt-Höchst die Betriebe Chloralkali-Elektrolyse, Produktaufarbeitung und Methanchlorierung. Das Salz für die Elektrolyse kommt per Schiff über Rhein und Main von Heilbronn (Steinsalz) in Deutschland oder aus den Niederlanden (Siedesalz). Nach Aufarbeitung der Produkte geht das Chlor durch Rohrleitung zum größten Teil an die Methanchlorierung und zum kleineren Teil an andere Chlorierungsbetriebe. Die Natronlauge wird per LKW, Bahnkesselwagen oder Tankschiff an Kunden versandt. Das gleiche geschieht mit der Bleichlauge, die aus Chlor und Natronlauge hergestellt wird. Ein Teil der Natronlauge wird zu Ätznatron-Microprills verarbeitet und ebenfalls verkauft. In den Betrieben der Methanchlorierung wird durch Pipeline bezogenes Erdgas zur Herstellung von Methylenchlorid und Chloroform chloriert (Kreislaufchlorierung). Die anfallende Salzsäure wird im Betrieb Methanolveresterung mit Methanol zu Methylchlorid umgesetzt. Insgesamt sind in den Produktionsbetrieben und Verkauf etwa 360 Menschen beschäftigt.

Die Mitarbeiter der LII Europe GmbH in Frankfurt-Höchst wohnen entweder in Frankfurt oder seinen Vorstädten, viele auch abseits der Industrie in Gemeinden des Taunus. Dort gibt es gute Luft, Felder und Wälder, das Wohnen ist angenehm, man kann im eigenen Haus leben, während man in den Städten im allgemeinen in Mietwohnungen lebt. Das gesamte Rhein-Main-Gebiet mit seinen größeren Städten Frankfurt, Mainz und Wiesbaden ist durch Autobahnen, Straßen und Eisenbahnen gut erschlossen. Viele der Mitarbeiter arbeiten in ihrer Freizeit in Gemeinden, in Vereinen und Vereinigungen, wie Stadtrat, Sportvereinen, Feuerwehr u.a. mit. Als Sport ist Fußball besonders beliebt, aber auch Tennis, Wandern im Taunus und vieles anderes mehr werden betrieben. Die vielen kulturellen und kulinarischen Attraktionen, die Frankfurt bietet, werden natürlich auch gern in Anspruch genommen.

Nach der Zeit der Unruhe unter den Beschäftigten im früheren Werk Höchst, jetzt Industriepark Höchst, und der Ungewißheit über die Zukunft in einem Land mit vielen Arbeitslosen, kehrt mit dem Erwerb durch LaRoche Industries Inc. etwas mehr Ruhe ein. Die Mitarbeiter werden, wie bisher gewohnt, gute und effektive Arbeit für ihre Betriebe leisten.


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